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  Berliner Polizisten trainierten brutale Festnahmen


Berliner Polizisten trainierten brutale Festnahmen

25 Nov, 2008

[mobil.welt.de] Der Vorwurf wiegt schwer: Insgesamt sieben Führungskräfte der Direktionshundertschaft aus der Direktion 4 im Süd-Westen Berlins sind mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden worden. Sie sollen im Einsatz provoziert und in der Folge bei Festnahmen mit "unangemessener Härte" vorgegangen sein.

Ferner hätten sie das Anschaffen nicht zugelassener Ausrüstungsgegenstände geduldet wenn nicht gar angeordnet. Polizei-Präsident Dieter Glietsch sprach von "außerordentlich schwerwiegenden Vorwürfen". Bei aller professionellen Handhabung des Zwischenfalls gehe ihm dieser an die Nieren, "denn hier gehe es nicht nur um Straftatbestände, sondern auch um die Gefahr eines massiven Vertrauensverlusts".

Dabei hatte sich der Ärger um die Polizeistation an der Eiswaldtstraße in Lankwitz seit geraumer Zeit angekündigt. Während die Direktionshundertschaft nach außen hin einen guten Ruf hat und auch bei Großeinsätzen wie in Gorleben und beim G-8-Gipfel bevorzugt als Unterstützung angefordert wurde, hatte es intern laut Informationen von WELT ONLINE wiederholt Kritik gegeben. Denn Angehörige des zweiten Zuges sollen bei Festnahmen über Gebühr hart vorgegangen sein. "Sie haben Menschen, die passiven Widerstand leisteten, nicht einfach am Arm abgeführt", so ein Kollege, "sondern eine konsequentere Festnahmetechnik angewandt, die sonst nur im Steinhagel durchgeführt wird, wenn es ganz schnell gehen muss". Zwar sei das immer noch im gesetzlichen Rahmen gewesen, habe aber der Verhältnismäßigkeit widersprochen.

Ferner sollen einige Beamte so genannte "Quarzhandschuhe" angeschafft haben. Diese entwickeln beim Ballen einer Faust eine feste Fläche im Fingerknöchelbereich, wodurch ein Faustschlag schwerste Verletzungen anrichten kann. Wie WELT ONLINE erfuhr, soll mit diesen Handschuhen regelrecht trainiert worden sein, obwohl diese nicht zur Ausrüstung von geschlossenen Einheiten gehören. Bei einer Durchsuchung der betroffenen Diensträume wurden eben diese Handschuhe sichergestellt. Ob dem Einzelnen der Einsatz dieser "Bewaffnung" individuell nachgewiesen werden kann, ist unwahrscheinlich. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, Beweise dafür bekommen zu haben, dass diese auf Geheiß gekauft wurden. Als erste Konsequenz wurden der Hundertschaftsführer sowie die Zug- und Gruppenführer von ihren Aufgaben entbunden, sobald die strafprozessualen Ermittlungen abgeschlossen seien, werde laut Polizei die disziplinarrechtliche Würdigung erfolgen.

Sorge um den Ruf der Truppe

Ans Licht kam der mögliche Polizeiskandal durch die Aussagen von mindestens zwei Beamten der Einheit, die von den Machenschaften wussten und diese nicht länger hinnehmen wollten. Offenbar ging mit der Aktion gegen die mutmaßlichen Täter ein Ruck der Erleichterung durch die Mannschaft. "Der Direktionsleiter hat uns am Donnerstag nach der Durchsuchung antreten lassen und uns die Vorgänge geschildert", so ein Beamter. "Viele waren froh, dass etwas geschieht und der Ruf der Truppe nicht nachhaltig beschädigt wird."

Gleichzeitig erachten Kollegen der Beschuldigten die Aussage von Dieter Glietsch als Vorverurteilung. Dieser hatte in einer Presseerklärung gesagt, die Vorwürfe begründeten den Verdacht, dass hier "Führungskräfte einer Einsatzeinheit ihre Dienstpflichten gegenüber den Bürgern dieser Stadt und gegenüber den anvertrauten Mitarbeitern gravierend verletzt und Straftaten im Amt begangen haben". Da immer die Gefahr der Verallgemeinerung bestehe, so Glietsch in dem Dokument weiter, "können sie das Vertrauen in die Integrität der polizeilichen Arbeit erheblich beeinträchtigen". Angehörige der Direktionshundertschaft in Lankwitz bemängeln, dies würde bereits suggerieren, dass die beschuldigten Beamten überführt seien. Dieter Glietsch betonte dagegen gegenüber WELT ONLINE, dass er es für höchst unwahrscheinlich halte, dass die Vorwürfe in Gänze nicht stimmen könnten. "Ich hätte mich sonst nicht in dieser Deutlichkeit eingelassen", so der Polizeipräsident. Der Vorgang zeige, dass die soziale Kontrolle in der Polizei funktioniere. Fehleinstellungen, Dienstpflichtverletzungen und Straftaten würden von Mitarbeitern nicht geduldet.

Source: http://mobil.welt.de

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